Antipoden I (2003)

Antipoden I (2003)

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Mit diesem Projekt wurde der Begriff Antipoden (wörtlich „Gegen-Füße“) physisch realisiert und dokumentiert. Zwei Akteure – Jörg Jozwiak und Ralf Kleimann – fanden sich an metergenau gegenüberliegenden Punkten der Erde ein, blickten einander – hypothetisch um die Erdkrümmung herum – an und nahmen von der Sichtachse zeitgleich jeweils ein Foto auf. Neben der Gegenüberstellung selbst gehören  diverse Karten zu dieser Arbeit.

Anmerkung: Für die Online-Dokumentation des Projekts wurden neben eigenen Bildern Illustrationen von Google Earth verwendet. Dieses Hilfsmittel war 2003 noch nicht verfügbar!

Abbildung: Google; Landsat Copernicus; IBACO; Weitere Daten: SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO

Planung. Ein Punkt, der Düsseldorf (Ausgangspunkt der Überlegungen zu diesem Projekt) genau gegenüber liegt, befindet sich in einem stürmischen Seegebiet etwa 1400 km südöstlich der neuseeländischen Hauptstadt Wellington, abseits aller Schifffahrtsrouten. Der nächste bewohnte Ort liegt 811 km nordnordwestlich: Pitt Island, eine Insel im zu Neuseeland gehörenden Chatham Archipel, ca. 65 km² groß und 2003 von 38 Menschen bewohnt. Eine von Pitt Island aus zurück durch den Erdmittelpunkt projizierte Linie endet im südfranzösischen Nationalpark Cévennes.

Abbildung: Google; Landsat Copernicus; Weitere Daten: SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO

Um einen geeigneten Punkt für die Gegenüberstellung festzulegen, wurde zunächst die Antipodenfläche Pitt Islands in Frankreich kartografisch erfasst. Der gesuchte Treffpunkt sollte auf beiden Seiten zwecks Fernsicht möglichst hoch gelegen und unbewaldet sein. Entsprechend wurden für Pitt Island und sein Antipodengebiet Dichtegrade der Vegetation und Anhöhen identifiziert. Anschließend wurden beide Karten korreliert und Schnittmengen vegetationsarmer, hoch gelegener Gebiete gekennzeichnet. Es ergab sich, dass, insbesondere wegen der dichten Bewaldung auf der französischen Seite, weniger als 10% der Gesamtfläche für die Gegenüberstellung in Frage kamen. 11 Punkte erschienen jedoch vielversprechend.

Der nächste Schritt bestand darin, das geeignetste Antipodenpaar vor Ort zu bestimmen. Im September 2003 erreichte der „Süd-Antipode“ Ralf Kleimann Pitt Island und Jörg Jozwiak, der „Nord-Antipode“ die Cévennes. Die zuvor kartierten Punkte wurden mittels GPS im Gelände aufgesucht, markiert und ihre Tauglichkeit telefonisch besprochen.
Pitt Island ist von der Hauptinsel der Chatham Islands nur mit lokalen Fischerbooten oder einer Propellermaschine zu erreichen, die für diesen Zweck gechartert werden muss. Da es wegen schlechten Wetters oft tage-, oder sogar wochenlang unmöglich ist, die 30 km breite Pitt Strait zu überqueren, blieb das Gelingen des Vorhabens bis zum Schluss ungewiss.

Abbildung oben: Google; Landsat Copernicus; U.S. Geological Survey; IBACO; Weitere Daten: SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO

Umsetzung. Die Gegenüberstellung wurde für den 27. September 2003 um 07:37:00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit, entsprechend 18:22:00 Chatham Islands Standard Time, vereinbart. Dies entsprach dem Zeitpunkt, an dem die Sonne in den Cévennes auf- und in Pitt Island unterging. Jede andere Tageszeit hätte bedeutet, dass an einem der beiden Antipodenpunkte Nacht herrschte. In diesem Moment („auf die Sekunde”) wurden die Kameras an den metergenau bestimmten Antipoden-Koordinaten in Richtung 108° (Ostsüdost) in Frankreich und 288° (Westnordwest) auf Pitt Island zum Horizont ausgerichtet und gleichzeitig ausgelöst. Dabei entstanden die beiden Bilder links und rechts unten.

Abbildung oben: Google; Landsat Copernicus; U.S. Geological Survey; PGC/Nasa; Weitere Daten: SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO

TV-Dokumentation des Projekts in 52° Süd – Von Kartenlesern und Weltensammlern, ARTE TV. Buch, Regie und Produktion: Thomas Schmitt (2005)